“Mir ist das einfach ganz besonders wichtig, dass alle Gäste spüren

Wow, es geht um die beiden“. Das ist absolut das Wichtigste, ganz egal wie viele Figuren man tanzt. “

Elisabeth Andexlinger ist die Chefin der Tanzschule TopTanz Andexlinger in Linz, die sie seit der Gründung 2001 zusammen mit ihrem Mann führt. Die beiden nahmen an zahlreichen Europa-, Staats- und Weltmeisterschaften teil und können eine lange Liste an Erfolgen vorweisen. Im Interview erzählt Elisabeth Andexlinger, worauf es beim Hochzeitstanz ankommt, wie man (selbst ohne Erfahrung) die perfekte Choreo findet und verrät uns ihre Geheim-Tipps für den perfekten Tanz, mit dem ihr alle zum Staunen bringt!

Was müssen Paare generell beachten bei der Auswahl von Tänzen?

“Ich sag mal prinzipiell Nichts, außer, dass sie einen Bezug zum Lied haben. Wenn man eine Qualitätstanzschule als Partner hat und jemanden der wirklich bemüht ist, bringt man zu jedem Stück einen Tanz zusammen. Ich persönlich finde immer, dass es wahnsinnig wichtig ist, dass man als Paar einen Bezug zum Tanz hat und das dementsprechend auch wirklich rüberbringt. Es macht keinen Sinn, sich irgendein verrücktes Musikstück auszusuchen, nur weil es gerade in den Charts ist. Das halte ich persönlich für sinnlos. Ein Klassiker ist allerdings in jeder Hochzeitssaison Thema – es gibt immer Anfragen von Paaren, welche die Choreografie von Dirty Dancing nachtanzen wollen.”

Inklusive Hebefigur?

“Alles, alles von vorne bis hinten. Und es ist nicht so, als ob mir das nicht gefallen würde oder als ob ich das nicht machen wollen würde. Aber es ist klug, dass man sich vorab überlegt, wieviel Zeit man verwenden will. Man muss schon ziemlich gut sein, damit man das dann so nachtanzen kann. Davon rate ich also eher ab. Ich bin immer eher dafür, dass man mal schaut was dem Paar liegt. Da findet man dann für jedes Paar den passenden Stil und das ist letztlich viel besser.”

Alle Jahre wieder wollen sich Paare an dem Tanz des Kult-Films versuchen. Dabei ist die Choreo nicht zu unterschätzen.

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Welche Tänze empfiehlst du für Fortgeschrittene, welche für Anfänger?

“Für Fortgeschrittene eher eine Potpourri mit den Lieblingstänzen. Da geht es dann oft gar nicht mehr so sehr um die Musik, sondern eher darum, was der Lieblingstanz ist. Der wird dann auf jeden Fall getanzt. Und dann kann man zum Beispiel noch ein kleines Intro machen. Also da sind Kombinationen möglich, wie beispielsweise eine Minute langsamer Walzer als Intro, dann Cha-Cha-Cha, dann vielleicht noch ein Disco-Fox, wo die ganze Familie und Freunde des Brautpaares einsteigen. Sowas machen meistens sehr versierte Paare. Diese machen außerdem meistens eine sehr durchgestylte Choreografie. Da wird dann zum Beispiel zum Highlight der Musik ein kleiner Heber oder eine Bodenfigur oder eine Pose gemacht. Bei Beginner-Paaren, die eben nicht so viel Erfahrung haben, lässt man ein bisschen Platz für individuelle “Hopplas” die passieren könnten. Meistens bleiben diese aber sowieso unbemerkt, da keiner der Gäste darauf schaut ;-). Was noch wichtig ist – wenn man bereits erfahren ist, kann man schon mehrere Rhythmen nehmen, wenn man nicht so erfahren ist, nimmt man eher nur einen Rhythmus. Das ist empfehlenswert, weil sonst verpasst man vor lauter Üben noch die eigene Hochzeit”

Was empfiehlst du den Paaren, die zu dir kommen und sagen: “Ich kann gar nicht tanzen!”?

“Das ist so individuell wie die Paare, die kommen. Es gibt diejenigen, die schon eine genaue Vorstellung oder einen Wunsch haben. Dann frag ich meistens als erstes, wie viel Zeit das Paar hat. Machbar ist prinzipiell sehr viel, sofern die Paare willig sind und auch wirklich zuhause trainieren. Dann kann man in 10-12 Stunden schon echt eine ansehbare Choreografie machen. Es gibt auch Paare, die kommen zu uns, wenn sie in zwei Wochen heiraten. Dann geht es meistens nach dem Motto “Schnell, bitte zeig mir einfach irgendwas!”. Dann werden es halt nur ein paar Drehungen, schön stehen und vielleicht schafft man noch ein bisschen mehr. Das ist auch machbar. Und dann ist es auch manchmal so, dass Paare kommen und fragen: “Okay, was sollen wir machen?” Da gibt es gar keinen Plan, die wissen nur: das Tanzen gehört irgendwie dazu. Dann frag ich meistens, was es überhaupt für einen Musikwunsch gibt oder welchen Stil das Paar gerne mag. Was auch immer wichtig ist, ist wie das Hochzeitskleid aussieht. Wenn dieses ganz eng ist oder wenn man sehr hohe Schuhe trägt ist man beispielsweise schon eingeschränkt. Wir gehen also her, sammeln alle möglichen Informationen und schneidern für das Paar eine individuelle Choreografie zu. Einmal hatten wir beispielsweise ein Paar mit einem sehr muskulösen, durchtrainierten Mann und einer kleinen, schlanken Frau, wo dann wahnsinnig viele Hebefiguren im Tanz waren. Eigentlich ist es da schon weniger ums Tanzen gegangen, aber für die beiden passte es perfekt und es sah toll aus! Man findet wirklich für jeden etwas, egal ob schon eine Vorstellung da ist oder auch nicht.”

Das heißt es gibt auch Hoffnung auf eine tolle Choreo für die Nicht-Tänzer?

“Absolut. Unsere besten Kandidaten sind oft Sportler, also vor allem Fußballer, die oft meinen, tanzen gehe gar nicht. Da macht man dann halt eine lustige Choreo, etwas mit Show, wo er eher nur in der Gegend herumsteht und seine Frau bezirzt. Das geht auch alles für den Fall, dass jemand gar nicht mag. Es gibt aber auch das umgekehrte Phänomen, wo Männer sehr ehrgeizig werden und fast gar nicht mehr aufhören wollen. Paare, die bald dran sind, sind manchmal so motiviert, dass sie vorher noch einige Wochen normale Wochenkurse besuchen und sich erst danach an die Hochzeitschoreografie machen. Es gibt wirklich nichts, was wir noch nicht hatten.”

Was ist ein Tipp, den du den Brautpaaren mitgeben willst?

“Früh genug anfangen – oft merkt man während der Choreografie, dass es wirklich Spaß macht und dass man auch gern noch mehr machen würde. Das geht dann natürlich nur, wenn man noch genug Zeit hat. Auf was Paare auch oft reinfallen ist, dass Tänze auf YouTube total einfach aussehen, obwohl sie in Wirklichkeit total schwierig sind. In den Videos sieht man meistens Profis, da sieht das dann so schön einfach aus.”

Abschließend vielleicht noch irgendwelche Geheimtipps von dir für unsere Paare?

“Ein absoluter Geheimtipp von mir ist, dass man die Verbindung zwischen dem Brautpaar sicherstellt, während man eine Choreografie einstudiert. Manchmal ist es so, dass vor lauter Technik oder aufgrund von schweren Figuren diese spezielle Verbindung abreißt. Mir ist das einfach ganz besonders wichtig, dass alle Gäste spüren “Wow, es geht um die beiden”. Das ist absolut das Wichtigste, ganz egal wie viele Figuren man tanzt. Und was natürlich auch immer besonders gut kommt sind Figuren, die besonders eng und innig getanzt sind. Das sind die romantischen Klassiker, wo sich sozusagen der Mann um die Frau kümmert, sie eindreht und solche Dinge – das sind die absoluten Favourites.”