Welchen Wert hat Live-Musik?

Es ist ein altbekanntes, leidiges, aber dennoch wichtiges Thema. Der Wert, der Live-Musik zugeschrieben wird, entspricht meist aus vielen Gründen nicht dem tatsächlichen Wert. In den meisten Fällen mangelt es einfach an Bewusstsein, welcher Aufwand tatsächlich nötig ist, um ein Instrument bühnenreif zu beherrschen und die gewünschte Performance abzuliefern. Wir wollen dieses Bewusstsein schaffen und damit Musikern helfen, nicht mehr um ihre Lebensgrundlage kämpfen zu müssen.

Musik als Brotberuf

Für viele Musiker ist Musik nicht nur ein Hobby, sondern ein Beruf. Ein Beruf wie Arzt, Maurer, Architekt, Maschinenbauer oder Krankenschwester. Doch oftmals ist Musik auch eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Denn mit Auftritten seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist wesentlich schwerer als man denkt. Während einige wenige Bands und Musiker Millionen verdienen, wissen andere nicht, wie sie ihre nächste Miete bezahlen, ihrem Kind eine vernünftige Ausbildung ermöglichen oder sich ein neues Instrument kaufen sollen.

Profimusiker vs. Amateurmusiker

Je nach Art und Umfang der jeweiligen Veranstaltung ist es natürlich nicht immer möglich, Profimusiker zu engagieren. Jedoch sollte jegliche Art von musikalischer Dienstleistung entsprechend entlohnt werden. Benefizkonzerte sind natürlich ausgenommen.

Generell gibt es beim Thema Gagen für Musiker eine einfache Frage, die sich jeder selbst stellen kann: Würde ich eine fremde Person darum bitten, ohne finanzielle Gegenleistung mein Haus zu planen, meinen Garten umzugestalten oder mein Auto zu reparieren? Wenn die Frage mit NEIN beantwortet wird – weshalb gilt dies dann nicht auch für Musiker?

„Eh nur 2 Stunden auf der Bühne ein bisserl spielen“

Musiker bekommen oft zu hören, dass sie durch eine Auftrittsanfrage die Chance hätten vor einem tollen Publikum zu spielen und als alternative Bezahlmethode Getränke als Gegenleistung bekommen. Schlussendlich machen sie es ja aus Spaß und aus Liebe zur Musik. Aber sind diese Argumente denn wirklich gerechtfertigt? Hier soll man sich als Musiker mit den Gegenfragen auseinandersetzen „Wie hoch ist der nötige Zeit- und Geldaufwand, bevor man denn irgendwann professionell auf der Bühne stehen und dem Publikum eine hervorragende Performance liefern kann?“ Wir haben dazu mit Markus Kaar, dem Gründer von musicbooking.com geredet.

Markus, wieviel Zeit und Geld musstest du bzw. mussten deine Eltern investieren, bis du erstmals auf der Bühne stehen konntest?

„Das ist schwer zu sagen, aber ich habe mal nachgerechnet. Mit 7 Jahren habe ich mit meinem Instrument (Cello) in der Musikschule zu lernen begonnen. Bis zu meinem 17. Lebensjahr haben meine Eltern etwa EUR 30.000,- in meine Musik investiert. Dieser Betrag inkludiert Instrumente samt Zubehör, Schulgeld, Fahrten zur Musikschule und Noten. Nicht eingerechnet sind Kosten für Orchesterseminare, Meisterkurse und sonstiges Specials sowie die Zeit, die meine Eltern damit verbracht haben, mit mir zu üben und mich zur Musikschule zu fahren. Die Ausgaben variieren natürlich je nach Instrument und Musikrichtung. Im Grunde muss einem jedoch immer bewusst sein, dass sich die Kosten nicht nur auf die Anschaffung eines Instrumentes beschränken. Das Lernen eines Musikinstrumentes kostet einfach viel Geld und Zeit, und das über viele Jahre.

Zum Thema Zeitaufwand: Anfangs habe ich nach der Schule etwa eine halbe Stunde pro Tag geübt. Das ist in der Kindheit die Zeit, in der andere Kinder bereits draußen Fußball spielen oder herumtoben. Mit steigendem musikalischen Niveau wurde dann natürlich auch die nötige Dauer fürs Üben schrittweise auf 1 bis 2 und später auf 3 bis 4 Stunden täglich erhöht. Mit 17 habe ich dann an der Anton Bruckner Privatuniversität inskribiert und neben dem Zivildienst ebenfalls 4 Stunden pro Tag an Zeit zum Üben aufgebracht. Dieser enorme Zeitaufwand und die harte Arbeit waren aber notwendig, um mein Instrument auf einem Niveau zu beherrschen, das mir Auftritte vor Publikum oder im Orchester ermöglichte.

Nun ist es so, dass Musiker natürlich Freude am Musizieren haben. Das ist zwar schön, aber davon kann man keine Miete bezahlen und sich nichts zu essen kaufen. Außerdem wird meist darauf vergessen, dass eine Live-Performance auf der Bühne ein Mix aus Handwerkskunst und Extremsport ist. Wenn ein Fußballer oder Skifahrer nicht punktgenau seine volle Leistung abrufen kann, wird er keinen Sieg einfahren können. Auch in der Musik muss das Geübte trotz Nervosität und Lampenfieber punktgenau abgeliefert werden. Ein falscher Ton oder ein falscher Akkord kann nicht mehr korrigiert werden, und hinterlässt beim Zuhörer ein unsicheres Gefühl.“

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